Donnerstag, 17. Januar 2019

Exkurs: Die Heroinsucht

Oft wollte ich den Teufelskreis meiner Heroinsucht beenden. Viele Entzugsversuche waren gänzlich gescheitert - am Ende siegte immer wieder die Sucht. In manchen Momenten reflektierte ich, dass ich immer mehr nach unten rutschte und in der Gosse gelandet war. Zudem ging mir die Abhängigkeit von irgendwelchen Dealern gemein auf den Sender. Zuletzt hatte ich auch nur noch Umgang mit anderen Drogensüchtigen. In meinem Fall war ein Koma in Folge einer Überdosis Heroin notwendig, um dann schließlich doch noch von den Drogen wegzukommen.

Das Dilemma mit der Heroinsucht hat Keith Richards in seiner Biographie "Life" wunderbar auf den Punkt gebracht:

Die tägliche Routine war extrem zeitaufwendig. Ich wachte morgens auf und ging als Erstes ins Bad, nicht um mir die Zähne zu putzen, sondern um mir einen Schuss zu setzen. Kein Löffel da, verdammt. Also runter in die Küche, einen holen. Jeden Tag die gleichen idiotischen Rituale. Daran hätte ich auch gestern denken können. Jedes Mal dauerte es länger, bis sich der Kick einstellte. Dagegen wurde das Verlangen, sich sofort wieder was zu schießen, wenn die Wirkung nachließ, immer stärker. Was soll`s, einer geht noch, schließlich bin ich ja clean. Aber dieser eine Schuss zur Feier des Tages ist verhängnisvoll. Dazu kommt, dass du zwar selbst vielleicht kein Junkie mehr bist, aber alle deine Freunde sind es noch. Wer einen Entzug macht, der hat den inneren Zirkel verlassen. Und ob sie dich lieben oder hassen, sie wollen dich wieder dabeihaben. "Das ist wirklich guter Stoff, Mann." Innerhalb der Junkiewelt herrscht die Auffassung, das jeder, der clean wird und dies auch bleibt, ein Versager ist. Wobei er versagt hat, kann dir keiner sagen. Wie oft kann man den Turkey aushalten? Es ist bescheuert, aber man realisiert es selbst nicht, dass man an der Nadel hängt, man blickt einfach nicht durch. Nach mehreren Entzügen war ich der festen Überzeugung, dass in der Wand ein Safe voller Dope versteckt ist, mit allem, was ich brauche, Nadeln, Löffel, alles. Und als ich nach meinem Zusammenbruch wieder aufwachte, war die Wand mit blutigen Kratzspuren übersät. Ich hatte mit den bloßen Fingern versucht, die Wand aufzukratzen. Ist es das wirklich wert? Damals lautete meine Antwort: "Ja, das ist es."

Ich kann genauso eingebildet und flatterhaft sein wie Mick (Jagger), nur dass man sich das als Junkie nicht erlauben kann. Die Realität sorgt dafür, dass man immer schön in der Gosse bleibt. Nicht auf der Straße, in der Gosse. Das war offensichtlich die Zeit, als Mick und ich in völlig entgegengesetzte Richtungen auseinanderdrifteten. Er hatte keine Zeit für mich und meine angebliche Unzurechnungsfähigkeit. Ich erinnere mich an eine Nacht in einer Pariser Disco, wo ich in katastrophaler Verfassung auf meinen Dealer wartete. Die Leute tanzten unter Glitzerkugeln, während ich mich unter den Sitzbänken versteckte und kotzte, weil der Mann nicht kam. Ich weiß noch, dass ich mich fragte, ob er mich hier unten überhaupt finden würde. Wenn er überhaupt noch kommt, dann schaut er sich kurz um und verpisst sich gleich wieder. Ich war reichlich verzweifelt, um es mal so zu sagen. Glücklicherweise entdeckte er mich. Aber wenn man sich in einer solchen Lage befindet und dich gleichzeitig die Welt für Numero uno hält, dann erkennt man irgendwann, wie tief man gesunken ist. Sich in diese Lage gebracht zu haben löst ein Gefühl des Selbstekels aus, den man so schnell nicht wieder loswird. Du Wichser, für Stoff würdest du wohl alles tun. Dabei bin ich doch mein eigener Herr. Keiner schreibt mir vor, was ich zu tun habe. Und trotzdem weißt du, dass der Dealer dich in der Hand hat, und das ist widerlich. Man ekelt sich vor sich selbst, wenn man auf den Pisser wartet und ihn anbettelt. Man kann es drehen und wenden, wie man will, Junkies sind Menschen, die auf ihren Dealer warten. Ihre Welt reduziert sich auf den Stoff. Daraus besteht ihr ganzes Universum.

Die meisten Junkies verblöden. Und das war letztlich der entscheidende Grund, der mich zur Umkehr bewegte. Wir kennen nur ein Thema, und das ist der Stoff. Geht`s nicht ein wenig intelligenter? Warum hänge ich mit diesen Nullen rum? Die sind langweilig. Schlimmer noch, viele sind absolut intelligente Menschen, die aber alle irgendwie wissen, dass sie sich haben täuschen lassen. Andererseits...…...warum eigentlich nicht? Jeder lässt sich von irgendetwas täuschen, wir wissen wenigstens, dass wir uns zum Affen machen. Keiner ist ein Held, nur weil er Drogen nimmt. Aber man könnte einer werden, wenn man es schafft, die Finger davon zu lassen. Ich liebte das Zeug. Aber irgendwann reichte es. Außerdem schränkt es den Horizont ein, bis man schließlich nur noch Junkies kennt. Ich musste meinen Horizont erweitern.

Natürlich erkennt man dies alles erst, wenn man den Ausstieg geschafft hat. Dafür sorgt schon der Stoff. Wie gesagt: Er ist die verführerischste Hure der Welt.

Donnerstag, 10. Januar 2019

Gutes neues Jahr 2019!

Ich wünsche allen meinen Lesern ein gesundes, erfolgreiches und glückliches Jahr 2019!

Zu Beginn des neuen Jahres, möchte ich mit einer sehr gelungenen Rezension, vom 27.11.2018, meines Buches, "Das Koma", zu finden bei Amazon, beginnen:

Wahnsinn

Das beste Buch für mich, weil es Wahnsinn ist, was Reinhard alles durchgemacht hat.
Obwohl er sich selber kaputt gemacht hat durch die Drogen und Alkohol, hat er Kampfgeist gehabt, wie man es kaum noch findet.

Man kann einfach nicht mehr aufhören zu lesen, weil man wissen will, ob er es schafft.

Nach vielen Rückschlägen kämpft er sich zurück ins Leben mit Kraft und Ausdauer. Das hat meinen Respekt.

Danke, für soviel Offenheit.

- Vielen Dank für diese Rezension -



Reinhard Belser am 09.01.2019
Es geht mir schon viel besser