Sonntag, 24. März 2019

Wie geht es mir heute?

Über 12 Jahre ist es her, als ich im Koma lag. Seitdem gehe ich einen langwierigen und dornigen Weg. Auf der einen Seite bin ich sehr glücklich darüber, wie weit ich bereits gekommen bin. Auf der anderen Seite habe ich immer noch mit einigen Einschränkungen zu kämpfen.

Auf jeden Fall ist es erstaunlich, was ich bereits alles geschafft habe. Es ist vielmehr, als die Ärzte je erwartet hätten. Seit dem Jahr 2008 lebe ich ohne Drogen und bin clean - WOW!

Die Lähmungen in meinen Beinen habe ich überwunden. Allerdings bin ich immer noch nicht vollends bei Kräften. Weiterhin muss ich viel trainieren, um meine Kondition, Muskeln und Kreislauf auf  Trapp zu bringen.

Aktuell kann ich bis zu 6 km laufen und benötige für diese Entfernung über 2 Stunden. Ich fahre E-Bike, gehe schwimmen und zur Physiotherapie. Einmal in der Woche ziehe ich mein Taekwondo Training durch.

Seit nunmehr 5 Jahren bin ich geschieden. Meine beiden Töchter kommen mich regelmäßig besuchen. Meinen Haushalt erledige ich selbst. Zusätzlich kümmere ich mich um mein Buchmarketing.

Ich bin sehr zuversichtlich, wenn meine Genesung weiter voranschreitet, ich eines Tages wieder vollends bei Kräften bin. 

Sonntag, 17. März 2019

Großartige Rezension von Heidelinde Penndorf

Ein erschütternder Live-Bericht

Es erfordert schon eine große Portion Mut, sich mit einem autobiographischen Roman öffentlich zu outen. Denn nichts ist schwieriger als über sich selbst zu schreiben, zumal wenn man jahrzehntelange Drogen und Alkohol konsumierte und sich eingestehen muss, dass man den totalen psychischen und physischen Zusammenbruch selbst herbeigeführt hat und man allein an seiner Situation schuld ist. Sich dies einzugestehen, aufzuschreiben und als Buch zu verlegen, ist wie sich selbst zu spiegeln. Fast emotionslos schreibt der Autor im Tagebuch-Stil diese Zeit nieder. Doch das hat man oft bei Menschen, die ein Trauma erlebten und über sich selbst reflektierend berichten.

Irritiert hat mich zuerst folgendes: Anfangs las ich es so, als ob der Zusammenbruch die Folge einer Silvesternacht war, in welcher Herr Belser mit Freunden feierte und dem Alkohol und Heroin kräftig zusprach. Doch später im Buch dann der Hinweis, dass er schon knappe drei Jahrzehnte drogenabhängig war - die besagte Silvesternacht war also nur das Tröpfchen, welches das Fass zum Überlaufen brachte und er als Folge in ein zehnwöchiges Koma fiel - nur die Hightech Medizin und ein ganzer Ärztestab retteten ihm das Leben.

Und dann kam erstmal die Ernüchterung. Die vielfältigen ungünstigen Diagnosen degradierten ihn zum Pflegefall - Austherapiert - abgeschoben - Pflegeheim. Das ist nichts Neues, seit in den Krankenhäusern nach DRG-Fällen abgerechnet wird - Kostenfaktor Patient.

Und so begann seine achtjährige Odyssee - Pflegeheim, geschlossene Psychiatrie, Physiotherapie, Reha-Maßnahmen, Gehwagen, Rollator, Krücken, Stock, auch Testperson einer Testreihe für ein neues Medikament für Hepatitis C, Hüft-OP, Übungen der Merkfähigkeit - alles ermüdend, anstrengend und langwierig. Und zwischendurch immer mal wieder der Suchtdruck, Depressionen, auch leichte Aggressivität, Schmerzen und manchmal auch Verzweiflung.

Der lange steinige Weg, aus dem tiefen Tal ins neue Leben hinein, wurde durchweg getragen vom eisernen Willen des Autors, dem Willen, ohne Hilfsmittel wieder am Leben teilhaben zu können, wieder gesund zu werden. Und die vielen Jahre wurden auch getragen von der Liebe seiner Familie. Was viele für unmöglich und nicht machbar hielten, auch Teile der Ärzteschaft, hat Herr Belser mit einer großen Portion Glück, Durchhaltevermögen, Zuversicht und dem Glauben an sich selbst bewerkstelligt. 2014 war es endlich soweit, seitdem kann der Autor wieder ein normales Leben führen. Er hat seine Chance gut genutzt, sich sein Leben - eigentlich ein neues Leben, zurückerobert.

Ich empfehle das Buch sehr gern weiter. Es ist ein Mutmachbuch, auch in schwierigen Situationen nicht aufzugeben und es ist ein Buch, welches die Folgen des Drogen/Alkoholkonsums vor Augen führt - ein erschütternder Live-Bericht eines gestrauchelten Mannes, der sich wieder an die Oberfläche in ein neues Leben gekämpft hat. Ich wünsche Herrn Belser alles Gute, ein glückliches langes Leben im Kreise seiner Familie und ein Leben ohne Drogen - ich wünsche ihm, dass er den Versuchungen immer widerstehen kann und clean bleibt.

Sonntag, 10. März 2019

Leseprobe aus "Das Koma - Mein größtes Glück"

2011 - Ein sehr gutes Jahr

…...Das waren gute Nachrichten! Ich war erlöst und fühlte mich um eine Sorge leichter.

Einige Wochen später wurde ich aufs Neue überrascht. Sandy hatte sich einen Schwangerschaftstest besorgt und dieser fiel positiv aus, wir konnten es beide kaum fassen. Sandy wünschte sich schon seit Langem ein zweites Kind und war außer sich vor Freude.

Ich war für einen Moment perplex, freute mich riesig mit ihr und sagte spontan: "Schatz, dieses Baby ist ein Himmelsgeschenk und wir nehmen es natürlich dankend an, das ist fantastisch." Dann hielt ich einen Augenblick inne und mir wurde bewusst, was ich soeben von mir gegeben hatte.

Blitzartig packten mich die Zweifel, wie ich sie aus meiner Vergangenheit zur Genüge kannte, und ich dachte: Ein Baby, in meinem Zustand - wie soll das denn gehen? Sandy hat in Zukunft einen kranken Mann, ein kleines Kind und ein Baby zu versorgen. Das wird doch alles viel zu viel! Ein Ex-Drogensüchtiger, dazu nicht mehr jung und schwer behindert, das ist ja geradezu verantwortungslos.

Ich versuchte, meine Gedanken zu ordnen. Dabei gewann ich folgende Einsichten: Sandy und ich wünschten uns tatsächlich schon lange noch ein zweites Kind, doch ich hielt den Zeitpunkt für eine Schwangerschaft für denkbar ungünstig, denn ich hatte mir vorgestellt, erst wieder laufen zu können und die Hepatitis C auszuheilen, dann wollte ich weitersehen. Jetzt lief es eben nicht nach Plan und ich sagte mir: Reinhard, du wirst nicht jünger, die Hepatitis C ist schon so gut wie ausgeheilt und das mit dem Laufen bekommst du auch noch geregelt, also los. Worauf wartest du? Sondern höre nicht auf deine negativen Gedanken, sondern habe Gottvertrauen und nimm dieses Baby mit Freuden an. Und genauso machte ich es dann...…...